Schurkenstück, Trauerspiel, Komödie oder Novela, die Funktionsträger der CSU bieten beste Unterhaltung und treiben die Einschaltqoten hoch, die Umfragewerte allerdings ins Diesseits von 50 %. Herzlich willkommen im 50 % Minus.
Mehrere Laienspielgruppen aus der CSU, das sind die Staatskanzlei ('tschuldigung im jetzigen Zustand muss man sie auch der Partei zurechnen), die CSU-Granden und die CSU-Landtagsfraktion versuchen sich an Shakespeares "Wie es euch gefällt", allerdings in einer bayerischen Fassung. Eigentlich gibt es da noch eine Spielgruppe, die Berliner Landesgruppe der CSU. Die anderen Drei wollen diese nicht mitspielen lassen, sie seien nicht mehr bayerisch genug. Sie hätten durch Berlin schon einen etwas artfremdes, frisches Geschmäckla angenommen. Sie würden einfach zu gut riechen. Der typische Geruch eines echt bayerischen, regionalen und seilschaftigen CSU-Funktionsträgers, der etwas nach angegangenem Fleisch riechen sollte, sei ihnen leider verloren gegangen.
Dann gibt es noch die Sprecherin der Abonnenten, sagt sie jedenfalls, Frau Pauli, die schöne Landrätin (unabhängig davon, dass ich ihren Mut, Standhaftigkeit und Gelassenheit bewundere, sie sieht wirklich gut aus). Sie fordert für die Abonnenten ein Mitspracherecht bei der Besetzung des Stückes. Das Tolle an dem Stück und seiner Aufführung ist, es gibt für jede Truppe einen Regisseur und jeder von ihnen schreibt heimlich neue Szenen ins Drehbuch. Eine völlige Innovation ist, dass nicht das vordergründige Geschehen allein den Fortgang des Stückes zeigt, sondern die Männer in den Kulissen mitspielen und jede Truppe ihre eigenen Sniper hat. Aus dem Hinterhalt der Kulissen versuchen diese, die jeweils andere Truppe aus dem Spielfluss zu bringen und eine neue Szene zu erzwingen.
Als zuschauendem Wähler bleibt einem wirklich nur der Zynismus oder der Blues. Ein solches Maß an Heuchelei, Unaufrichtigkeit, und Hinterhältigkeit wäre in jeder TV-Schmonzette, egal bei welchem Sender, völlig unglaubwürdig. Doch die CSU schafft es. Nein, nicht die ganze CSU, es ist der Kopf der stinkt, damit es klar wird, das Präsidium ist es und die Landtagsfraktion. Nein, nicht alle nur ein Teil davon. Und der andere Teil? Eingedenk des 1.Gebotes der CSU "Geschlossenheit zeigen" haben die sich über den Tisch ziehen lassen.
Was ist passiert? Vor zwei Tagen wurde wirklich auch für den unkritischsten CSU-Anhänger überdeutlich, dass die CSU zumindest in zwei Flügel gespalten ist. Und diese Spaltung ist auch regional bedingt, Franken gegen Altbayern. Ich möchte ausdrücklich betonen, hier geht es nicht nur um Stoiberbefürworter und Stoibergegner. Nach zehnstündiger strittiger Debatte wurde Stoiber das Vertrauen ausgesprochen und die Entscheidung über den Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl 2008 angeblich einem Parteitag im September übertragen.
Hier wurde die Wahrheit zugunsten des 1.Gebots der CSU, der "Geschlossenheit", verraten. Jeder war sich ob dieser Heuchelei bewusst, anscheinend nur Herr Stoiber nicht.
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Er glaubte dank den Einflüsterungen seiner Klon-Krieger in der Staatskanzlei, seiner Spin-Doktoren, er habe Zeit gewonnen. Doch Zeit gewonnen, hatten nur die Verschwörer Beckstein und Huber und ihre Klientel. Als das Treffen in Kreuth offiziell beendet war, und demnach auch die Presse fast abgereist war, einigten sie sich bei dem folgenden "gemütlichen Beisammensein" im Anschluss an die Kreuther Tagung, die Macht in der CSU unter sich aufzuteilen.
Dies ist ganz offensichtlich der Versuch die Macht in der CSU im Handstreich durch eine Verschwörung zu okkupieren. Es sei keine Verschwörung? Was ist von Politikern zu halten, die seit 10 Tagen täglich zu Protokoll geben, dass sie hinter Stoiber stehen, seine erneute Kandidatur wünschen und niemals gegen ihn als Kandidat antreten würden. Mit aller Mühe erzwingen Stoiber, der Fraktionsvorsitzende im Landtag, das Chamäleon Joachim Hermann und auch die Verschwörer die Vertrauenserklärung für Stoiber, um sich 24 Stunden später zu seinem Sturz zu verständigen. Durchschauen sie die Fassade der CSU!
Diese Verschwörung gilt eigentlich nur zur Hälfte Herrn Stoiber. Beckstein und Huber muss spätestens bei der 10-Stunden-Sitzung mit der Landtagsfraktion klar geworden sein, dass Stoiber keine Chance mehr hatte. Wenn man sich untereinander verständigen könnte, wäre zumindest die Gefahr Seehofer ausgeschaltet. Obwohl man einen Sniper auf ihn angesetzt hatte, musste und muss man ihn immer noch fürchten. Alle diejenigen, welche sie ähnlich einem Kängeruh im Gesäß mit sich tragen, wären ja in ihrer Karriere aufs höchste gefährdet. Man weiß ja nicht, ob ihnen eine Symbiose mit dem Wirt Seehofer gelingen würde. Außerdem müssten sich da noch viele andere einen neuen nährenden Schlupfwinkel suchen (Herr Söder verödet hoffentlich).
Es kann der CSU nur gut tun, es kann Bayern nur gut tun, und es wäre ein sehr wichtiger Beitrag zum Kampf gegen die Politikverdrossenheit, wenn es eine echte Entscheidung zwischen zwei Kandidaten um den Parteivorsitz geben würde. Noch besser wäre es, wenn es auch zwei Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt gäbe.
Seehofer käme für beide Ämter in Frage. Loyal zur Partei, hat er sich doch nicht so verbiegen lassen, wie viele andere. Er ist ein unabhängiger, konservativer Politiker geblieben, der das "Soziale" in der CSU immer vertreten hat und er ist niemand in den Arsch gekrochen.
Was mit seiner Affäre sei? Erstens ist es keine Affäre, und zweitens geht es mich und sie überhaupt nichts an, wie Herr Seehofer sein Privatleben gestaltet. Kennen sie seine Lebenssituation? Nein! Also darf dies niemals ein Kriterium für die Auswahl von Politikern sein.
Ich hoffe, Herr Seehofer lässt seinen Hut im Ring liegen, und ich wünsche mir noch ein paar Hüte.
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