am 18. März 2011
Die Sicherheitslüge
 
 
13.03.2011 17.03.2011
   
Merkels Menetekel Umkehr und Beispiel
   

Nachdem unser bayerischer Gernegroß Markus Söder - Umweltminister in Bayern - zu seiner Überraschung diese Woche entdecken musste, dass das AKW Isar 1 nicht einmal gegen den Absturz von kleineren Flugzeugen geschützt ist, hat er sich reflexartig an die Spitze der Bewegung gesetzt. Welcher auch immer!

Tapfer verkündete er das endgültige Aus für das AKW Isar 1. Gestern im Landtag gestand er ein, gar keine Kompetenz für so eine Entscheidung zu haben. Er sei doch nur ein kleiner Lemming von Frau Merkel. Frau Merkel wiederum weigerte sich gestern im Bundestag sich zur dauerhaften Abschaltung der ältesten deutschen AKWs zu bekennen. Was das wohl zu bedeuten hat?

Gestern Abend hat man gemerkt, dass sich in Deutschland etwas verändert hat. Zu den Diskussionsrunden zum Thema Atomenergie in den Tagen zuvor hatte die Atomindustrie ihr Schmiedlein den Herrn Prof. Ralf Güldner, ihren Cheflobbyisten und Präsidenten des Deutschen Atomforums, geschickt. Doch zu Maybritt Illner gestern Abend kam der Schmied höchstpersönlich, EON-Vorstand Johannes Theyssen. Der Lügenindustrie weht der Sturm kräftig entgegen. Herr Theyssen versicherte immer wieder: "Alle AKWs sind sicher." Er selbst höchstpersönlich würde sie vom Netz nehmen, wenn dem nicht so wäre.

Auch wenn es etwas technisch wird, möchte ich doch aus dem österreichischen Schwachstellenbericht einige Details zitieren. Es handelt sich um eine Kurzstudie zu Schwachstellen in den Kernkraftwerken SWR 69 Brunsbüttel, Isar 1, Krümmel und Philippsburg. Diese AKWs sind baugleich mit dem niemals ans Netz gegangenen AKW Zwentendorf in Österreich.

Ich zitiere aus der Zusammenfassung:

Eine Untersuchung der Schwachstellen in den Kernkraftwerken SWR 69 Brunsbüttel, Isar 1, Krümmel und Philippsburg ergab folgende grundlegende Probleme:

  • Die schwerwiegenden Konstruktionsmängel können durch Nachrüstungsmaßnahmen nicht ausgeglichen werden.

  • Das Design des Reaktordruckbehälters erfüllt nicht die Grundbedingungen der Basissicherheit, weder hinsichtlich der Minimierung der Anzahl der Schweißnähte noch hinsichtlich der ausreichenden Prüfbarkeit.

  • Die grundlegende Forderung des Basissicherheitskonzepts nach einem optimierten RDB-Werkstoff ist nicht erfüllt.

 

Zusätzlich sind folgende vorwiegend technische Mängel zu beanstanden:

  • Die zulässige Meridianspannung der Schweißnaht überschreitet zulässige Grenzwerte nach ASME und auch nach KTA (mit Sicherheitsbeiwert). Somit ist kein ausreichender Sicherheitsabstand vorhanden.
  • Man muss davon ausgehen, dass im Normalbetrieb die Plattierung an der
    Schweißnaht zwischen Flanschring und Bodenkalotte bis in die Warmstreckgrenze beansprucht wird, d. h. bleibende Verformungen erfährt. Dies kann zur Folge haben, dass Ermüdungsrisse entstehen.
  • In der Spannungsanalyse ist die Tatsache nicht berücksichtigt worden, dass in der Nähe der Pumpenstutzen (im Tellerboden) Schweißnähte angeordnet sind, weil die Schweißnähte als volltragend angesehen wurden.
  • Bei der Genehmigung des baugleichen Reaktors Zwentendorf in Österreich zeigte sich, dass das „Zwentendorfer Reaktordruckgefäß in konstruktiver Hinsicht nicht einmal den Anforderungen der für gewöhnliche Druckgefäße herkömmlicher Gefahrenklassen geschaffenen österreichischen Dampfkesselverordnung (DKV) und den geltenden Werkstoff- und Bauvorschriften (WBV)“ genügte [PROFIL 1978].

Es folgen noch 15 weitere Mängel. Wenn Sie in der linken Spalte dem Link folgen, finden Sie den vollständigen Schwachstellenbericht. Schauen Sie sich zumindest die vollständige Zusammenfassung an.

Die Sendung Kontraste berichtete gestern Abend von einem geheimen Papier im Bundesumweltamt in welchem eine hochrangig besetzte Kommission die Sicherheitskriterien unter Berücksichtigung von Fukushima nach neuestem Stand der Technik entwickelt hat. Wendet man diese Sicherheitskriterien auf die deutschen AKWs an, dann sollte nach Merkels Moratorium kein deutsches AKW mehr am Netz sein, entweder weil die AKWs nicht nachrüstbar sind oder weil ihre Nachrüstung so teuer wäre, dass die Lügenindustrie freiwillig abschalten würde.

Verlangen Sie von der Bundesregierung die Veröffentlichung dieses Papiers und verlangen Sie die Einhaltung dieser Sicherheitskriterien nach Stand der Technik. Es geht um unser aller Zukunft! Gehen Sie am Samstag den 26. März auf die Anti-AKW-Demos, die überall im Land stattfinden werden. Setzen Sie sich für Ihre und vor allem die Zukunft Ihrer Kinder und Enkel ein.

 

   
 
 
 
 
 
 
© Wolfgang Appell 2011