"Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende. Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden." So spricht der Prophet Daniel zum babylonischen König Belšazar.
Nicht Pietät vor Japans Opfern lässt Umweltminister Röttgen (CDU) und Außenminister Westerwelle (FDP) am Samstag beschwörend künden: "Jetzt sei nicht die Zeit, die Atomdebatte wiederzubeleben, die Opfer der
Tsunami-Katastrophe in Japan müssen im Vordergrund stehen." Nein, sie fürchten, Daniels Deutung der Schrift an der Wand ist für die kommenden Landtagswahlen fürchterlich aktuell.
Auch das Motiv der Kanzlerin für die Einforderung einer Sicherheitsüberprüfung für alle 17 deutschen Kernkraftwerke ist nicht die Sorge um unser Wohlergehen, sondern die Sorge um das Wahlergehen bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz. Die Pfarrerstochter weiß genau, Fukushima ist ihr Menetekel.
So versucht sie ihr Schicksal zu wenden, aber nicht durch eine ehrliche Umkehr. Die Rücknahme der Verlängerung der AKW-Laufzeiten steht nicht zur Debatte. Mit ihrem Aktionismus mimt sie Ernsthaftigkeit beim Umgang mit unser aller Sorgen, doch es ist nur Betätschelungs-Politik.
Auch wenn ich nicht Daniel bin, wage ich eine Prophezeiung. Am Ende ihrer Sicherheitsüberprüfung wird folgender Befund stehen: Deutschlands Kernkraftwerke sind sicher und verantwortbar. Es bleibt bei der Verlängerung der AKW-Laufzeiten.
Überlegen Sie einmal, was ein anderes Ergebnis bedeuten würde. Sie hätte sich wahrlich mit dieser Sicherheitsüberprüfung selbst von hinten durch die Brust geschossen. Selbst dem tiefgläubigsten Anbeter der Kernenergie wäre mit einem Schlag klar, dass Frau Merkel mit der Aufkündigung des Atomkompromisses ihren Amtseid, das Wohlergehen des deutschen Volkes zu mehren, gebrochen hat, die schwarz-gelbe Koalition unsere Zukunft an die Stromkonzerne verraten und verkauft hat.
Würde die geforderte Sicherheitsüberprüfung die vorhandenen Risiken in den deutschen Kernkraftwerken ernst nehmen und zu dem Ergebnis kommen: "Kernenergie ist nicht verantwortbar", dann stünde Frau Merkel im Hosenanzug ziemlich nackt da, und es bedürfte nicht der kommenden Landtagswahlen als Mittel zum Zweck uns einen Super-Gau in Deutschland zu erparen.
Wissen Sie was Hybris ist? Ich will Ihnen ein Beispiel geben. Der Lobbyverband der deutschen Atomindustrie - das Deutsche Atomforum - erklärt, einen Unfall wie im japanischen Reaktor Fukushima Daiichi werde es in Deutschland niemals geben. Was für eine Vermessenheit, Anmaßung und Selbstüberhebung!
Japan ist technologisch mindestens so hoch entwickelt wie Deutschland. Auch dort haben sie vor dem Bau der Meiler alle Risiken abgeschätzt und waren sich sicher, ihre AKWs sicher zu bauen. Hatten sie doch alles bedacht. Wirklich alles? |
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"Der Mensch denkt und Gott lenkt", dieses geflügelte Wort bringt die Sache auf den Punkt. Japan hat versucht seine AKWs nach der erwarteten größtmöglichen Erdbebenstärke auszulegen. Das jetzige Beben haben sie schlicht nicht für möglich gehalten.
"Deutsche Kernkraftwerke sind gegen die bei uns zu erwartenden Erdbeben ausgelegt", sagt Jürgen Maaß vom Bundesumweltministerium. Wegen der Erdbebengefahr im Rheingraben ging das AKW Mülheim-Kärlich nie ans Netz. In der Region des Rheingrabens stehen auch die Meiler in Neckarwestheim,
Philippsburg und Biblis sowie der französische Reaktor Fessenheim.
„Die Hybris, die uns versuchen läßt, das Himmelreich auf Erden zu verwirklichen, verführt uns dazu, unsere gute Erde in eine Hölle zu verwandeln.“ (Karl Popper)
Gleich wie viele Risiken man vor dem Bau unserer AKWs bedacht hat, Technik und/oder Mensch kann versagen und die Kraft der Natur lässt sich nur in trügerischen Wahrscheinlichkeiten abschätzen. Ein Supergau wie Tschernobyl sei nur alle paar tausend Jahre wahrscheinlich. Doch Fukushima ereignet sich nur 25 Jahre später.
Der Alt-Meiler Fukushima hat glücklicherweise oder in weiser Voraussicht einen Sicherheitsmantel aus Beton. Unter großer Hitze wird Beton langsam brüchig und es dauert bevor die Kernschmelze ins Erdreich durchbricht. Das bringt Zeit für die Evakuierung der Bevölkerung, oder genauer den Exodus, denn niemand wird zurückkehren können.
Bei unseren Altmeilern Brunsbüttel, Isar 1 und Philippsburg 1 besteht die äußere Sicherheitshülle nicht aus Beton sondern aus Stahl, der viel schneller durchschmilzt. Die Zeit für einen Exodus wäre gering.
Russland hat um Tschernobyl einen Exodus-Radius von 60 Kilometern festgelegt. Doch je nach Windrichtung haben 400 km nicht ausgereicht. Wie nahe wohnen Sie an einem AKW? Sie werden nie zurückkehren können.
Fukushima ist unser aller Menetekel, die letzte Warnung. Wenn der Atomkompromiss schon aufgekündigt wird, dann nicht um die Laufzeiten zu verlängern, sondern um sie zu verkürzen.
Sie, ja genau Sie, haben es bei den kommenden Landtagswahlen in der Hand Frau Merkel, und damit die Verlängerung der AKW-Laufzeiten zu stoppen.
p.s. Stellen Sie sich einmal vor Caesar und die Seinen hätten vor 2000 Jahren versucht ihre Müllprobleme uns aufzuladen. Was wäre wohl im Laufe der Geschichte von diesem Vorhaben geblieben? |