am 16. Januar 2007
Stoibers Klon-Krieger in heller Panik?
Der mögliche Nachfolger Seehofer wird beschädigt!
Cui bono? Das war's wohl für Stoiber!
 
 

Ein Bericht der "Bild"-Zeitung vom Montag, 15.01.2007, ist womöglich der Sargnagel in der politischen Karriere des Edmund Stoiber. Begonnen hat die Krise mit Schnüffeleien im Privatleben von Frau Pauli. Einen Kontrapunkt setzt dieser Bericht, wonach Partei-Vize Horst Seehofer ein Verhältnis hat. Cui bono? Wem nützt so eine Beschädigung des Ansehens von Horst Seehofer? Wer könnte demnach diesen Bericht lanciert haben?

Horst Seehofer ist sicherlich an der Basis der CSU der beliebteste Politiker, aber diese Basis hat allermeistens ein sehr konservatives Familienbild. Der behauptete Fehltritt soll diese Beliebtheit stark verringern und seine mögliche Nachfolge verhindern. Cui bono?

Unter starkem Verdacht ist selbstverständlich die Staatskanzlei. Sie ist randvoll mit politischen Beamten, die Stoiber ausgewählt hat, die ihm ihre Karriere verdanken, Stoibers Ministeriale, Stoibers Klon-Krieger. Sie alle müssen damit rechnen, dass ihnen ein Nachfolger nicht traut, auf ihren Lehenseid pfeift und eigene Vasallen benennt. Sie sehen alle ihre Nerz- und Hermelinfelle davonschwimmen. Warum nicht auf das in der CSU tradierte und bewährte Mittel der Hinterfotzigkeit zurückgreifen? Hat es doch in den großen und kleinen Grabenkämpfen in der CSU immer wieder geholfen. Ich erinnere an die Auseinandersetzung Stoiber - Streibl, oder Stoiber - Waigel.

Cui bono? Dann gibt es noch die kleinen und großen Klon-Krieger Stoibers in der Partei, seine Gefolgsleute, seine Entourage (auch mit Bande zu übersetzen), die Mitglieder seiner Seilschaft. Da sind mit aller Sicherheit einige dabei, die bei einem Sturz Stoibers ihre bisherige Lebensplanung völlig ändern müssten. Auch sie könnten auf die Idee kommen, und zwar unabhängig von Müntefering, mögliche Nachfolger vor dem eigentlichen Hauen und Stechen in Kreuth abzuschießen bzw. gründlich zu verhaken.

Cui bono? Neben Seehofer gibt es noch die Bezirksfürsten Beckstein, Glück und Huber, die als Nachfolger gehandelt werden. Damit kein Mißverständnis aufkommt, ich halte sie alle drei für vollkommen integer, auch wenn ich viele ihrer politischen Ansichten nicht teile. Aber auch sie haben ihre treu ergebenen Samurai. Könnte da nicht der eine oder andere auf die Idee kommen, aber nur wenn er Wissen vom Politbetrieb und den Trieben der Betreiber in Berlin hat, aus dem Hinterhalt auf einen Gegner seines Lehnsherrn zu feuern?



 

Alle Drei lassen doch die Muskeln spielen um ihnen nicht genehme Lösungen zu verhindern.

Cui bono? Wem noch? Ich hätte ihn eigentlich außen vor lassen wollen, weil er trotz aller Mängel mein Favorit ist. Ich spreche von Joachim Herrmann, dem Fraktionsvorsitzenden der CSU-Landtagsfraktion. Er ist als Mensch und Politiker integer, aber auch ihm nützt so eine Ferkelei, so eine Konspiration zwischen "Bild"-Zeitung und einem "Parteifreund".

Glauben Sie nicht, ich leide unter Verschwörungs-Paranoia. Aber die Lage der CSU ist ernst. Die Basis hat dies noch nicht so mitbekommen. Die CSU hat eigentlich im Augenblick nur die Wahl zwischen Skylla und Charybdis (ich empfehle Wikipedia). Muss Stoiber gehen, und meiner Meinung nach bleibt ihm nichts anderes übrig, wird es ausgedehnte Diadochenkämpfe geben. Bleibt Stoiber, dann haben sich allzu viele zu weit aus dem Fenster gehängt, und wenn sie nicht endgültig in ihrer Karriere festhängen wollen, müssen sie den Sturz Stoibers weiter betreiben. Auch in diesem Fall wäre die so gerühmte Geschlossenheit der CSU dahin. Die Demontage ginge weiter, die Wahlaussichten über 50 % zu kommen wären sicher dahin, vielleicht sogar die Landtagsmehrheit.

Cui bono? Und wer hat Schuld? Da die Klon-Krieger Stoibers in heller Panik, ob der Zukunftsperspektiven ihres Lehnsherrn und ob ihrer eigenen, sind, liegt die höchste Wahrscheinlichkeit für diese Ekeligkeit hier. Die Versicherung Stoibers er habe damit nichts zu tun, ist vermutlich wahr. Doch er ist für seine panischen Klon-Krieger verantwortlich. Alle Versicherungen werden ihn nicht im Amt halten.

Wer wird sein Nachfolger? Seehofer? Nein, die Aasgeier der Journaille kreisen schon über Berlin und werden keine Ruhe geben. Wünschen würde ich mir als Franke und Erlanger Joachim Herrmann. Er ist der Spatz in der Hand. Und die SPD? Ihr fehlt sowohl Taube als auch Spatz und das seit Herrn von Knöringen. Aber vielleicht ist dieser CSU-BIGBANG ein Jungbrunnen für die SPD.

Stoiber bleibt noch ein letzter Trumpf, der Schellenober Ramsauer. Wenn es ihm gelingt, ihn zum Nachfolger zu machen, dann sind seine Klon-Krieger und vielleicht auch die Geschlossenheit der CSU einigermaßen gerettet. Ramsauer gehört zwar zu den Stoiberleuten, aber vermutlich könnten ihn alle Gruppierungen in der CSU akzeptieren.

 

   
 
 
 
 
© Wolfgang Appell 2007