am 11. Januar 2007
Edmund Stoiber wird zum Problembären!
Die CSU wankt zwischen Artenschutz und Abschuss!
 
 

Mit seiner Erklärung, weitere 6 Jahre Bayern als Ministerpräsident und die CSU als Vorsitzender beglücken zu wollen, ist Stoiber nicht mehr nur für die Basis der CSU zum Problembären 'Edmund' geworden. Schon 24 Stunden nachdem die Bezirksfürsten ihren Lehens- und Treueeid, auf dem CSU-Vasallen- und Klontreffen in Kreuth, vorzeitig erneuert hatten, macht Stoiber den Treueschwur zur Makulatur. Was für eine Selbsttäuschung! Welche Fehleinschätzung! Die bestellte und prompt gelieferte Rückendeckung für die Öffentlichkeit hält er für echt. Völlig losgelöst sonnt er sich im Talmiglanz der bestellten Treue und Geschlossenheit und rüstet zu neuen Taten.

Gestern noch standen sie hinter ihm und deckten seinen Rücken, heute jedoch treten die ihm Nächsten einige Schritte aus dieser Deckung zur Seite. Die Einen fürchten ein mögliches Stolpern Stoibers und der folgende Sturz könnte sie mitreißen und die Anderen, die sich heimlich Hoffnungen auf die Nachfolge machen, müssten mit ansehen wie der Zahn der Zeit ihre Aufstiegspläne erodiert. Auch sie wären nach 6 Jahren Stoiberfortsetzung nur noch eine Alters- und Altlast der CSU.

Allmählich wird das politische Normalmaß Edmund Stoibers für alle sichtbar. Er war der meist überschätzte Politiker Deutschlands. Er verdankt seine "Erfolge" der tüchtigen, aber auch rücksichtslosen und oft skrupellosen (siehe Bespitzlung Frau Pauli) Mannschaft um ihn herum. Noch vor einem Jahr hatte er diese Selbsterkenntnis. Dies ist der wahre Grund, warum er nicht als Superminister nach Berlin gegangen ist. Er hätte aus seiner Umgebung in der Staatskanzlei nur einzelne Personen nach Berlin mitnehmen können. Ohne seine gewohnte Mannschaft wäre sehr bald in der Republik der Satz gefallen: "Seht doch! Der ist ja nackt!"

Gibt es außer der Selbsttäuschung noch eine Ursache, die Stoiber zu diesem verheerendem Statement, zu dieser Fehleinschätzung, getrieben hat? Seine Entourage, die von ihm geförderten Leute, seine Seilschaften, seine Lehensträger, seine Klone, müssen einen Karriereknick befürchten, wenn Stoiber nicht erneut antritt, und am Besten natürlich für die ganze Legislaturperiode. Es könnte ja jemand Nachfolger werden, der ihrer Bruderschaft nicht angehört. Jemand der alle Lehen einzieht und sie neu vergibt.

Ich befürchte, Herr Stoiber und seine Seilschaften möchten die Zeit gewinnen, Herrn Söder in diesen weiteren 6 Jahren zum Nachfolger aufzubauen. Diese Vorstellung macht mir Angst. Bei ihm paaren sich Skrupellosigkeit, Arroganz und stetiges Blabla. Ihn schert weder die CSU-Basis, noch der Rest der Republik, noch Anstand und Fairness. Söder interessiert nur Söder.

 

 

Doch die Basis ist unberechenbar. Der Basis ist nicht zu trauen. Der Basis ist, die in der Vergangenheit geleistete Drecksarbeit, völlig wurscht! Die Basis belohnt nicht! Sie will beruhigt und belohnt werden. Die Basis wünscht sich einen Ministerpräsidenten, der tüchtig ist, dem sie Vertrauen kann, vor allem zu dem sie aufschauen kann ohne vom Rest der Republik verspottet zu werden.

Diese Erkenntnis hat sich am Mittwochabend auch in der CSU-Landtagsfraktion durchgesetzt. Die Süddeutsche Zeitung zitiert einen maßgeblichen Landtagsabgeordneten der CSU mit ,,Wir sind entsetzt‘‘ und "Schwachsinn", bezogen auf Stoibers Ankündigung noch 6 Jahre anzudauern.

Schon vor der Stoiber-Erklärung hat Joachim Herrmann, Fraktionsvorsitzender der CSU im Landtag, seinen Plan fallen lassen, Stoiber vorzeitig offiziell zum Spitzenkandidaten zu küren. Er reduzierte sein Vorhaben auf eine Solidaritätserklärung wie im Präsidium der CSU. Sie sollte in nicht geheimer Abstimmung per Akklamation erfolgen. Abgesehen davon, dass ein solches "auf den Schild heben" den Speicherplatz in den Medien nicht wert gewesen wäre, ist dieses Vorhaben von Herrmann in der Landtagsfraktion nach Stoibers Erklärung völlig obsolet geworden.

Einen Tag später, heute Donnerstag, geht Stoiber, sicher auf Anraten, virtuell nach Canossa und tut Buße. Es war alles nicht so gemeint. Nach seiner Wiederwahl wird er seiner Verantwortung gegenüber der CSU gerecht werden. Doch auch dieses klingt eher nach einer Drohung als nach einer Beruhigung. Anscheinend sind Stoiber und seine Klone nicht nur meilenweit von der Basis weg, sondern inzwischen auch von der Landtagsfraktion.

Was wird nun bei der Sitzung der Landtagsfraktion in Kreuth passieren? Ich wage eine Voraussage. Die Landtagsfraktion wird Stoiber ihr volles Vertrauen aussprechen, aber aus Gründen demokratischen Handelns gegenüber der Basis den Delegierten im Herbst die Benennung des Kandidaten überlassen. Um bei meiner Eingangsmetapher zu bleiben: So taumelt die CSU zwischen Artenschutz und Abschuss gegenüber dem 'Problembären' Edmund Stoiber!

   
 
 
 
 
© Wolfgang Appell 2007