Herr Ackermann von der Deutschen Bank und andere Banker fordern eine staatlich finanzierte "Giftmülldeponie" auf der sie die vergifteten Wertpapier- und Kreditleichen aus ihren Kellern problemlos entsorgen können. Wenn es einen Orden für Unverschämtheit und Chuzpe gäbe, jeder einzelne Banker, allen voran Herr Ackermann, hätte ihn schon lange verdient.
Laut "Financial Times Deutschland" geht man in Regierungskreisen in Berlin davon aus, dass bei den deutschen Banken noch riskante Wertpapiere in einer Höhe von 300 bis 600 Milliarden Euro liegen. Die Süddeutsche Zeitung spricht sogar von einer Billion Euro.
Anfangs waren nur Anlagen ausfallgefährdet, die auf US-Ramschhypotheken basierten, auf den Papieren voll mathematischer Täuschungskunst mit Namen Derivate. Doch die Finanz- und Wirtschaftskrise schreitet fort und den Banken drohen immer mehr riesige Abschreibungen auf ihre Wertpapiere und Kredite. So sind Kredite für Firmen, die auf Pump gekauft wurden, in Gefahr, Konsumentenkredite kommen ins wackeln, oder Papiere, die mit dem kriselnden spanischen Immobilienmarkt im Zusammenhang
stehen.
Um dies besser zu verstehen, müssen wir ein wenig in das Bilanzierungsrecht eintauchen. Eine Bank verleiht Geld – an Unternehmen, an Bauherren oder an Autokäufer. Zusammen mit Wertpapieren bilden Kredite die Aktiva in der Bilanz der Bank. Finanziert werden diese Aktiva mit Geld, das der Bank gehört – dem Eigenkapital, und Geld, das andere der Bank bereitstellen – dem Fremdkapital. Die Deutsche Bank z.B. mit ihrem Eigenkapital von 41 Milliarden Euro hat Aktiva im Wert von 2061 Milliarden Euro. Sie besitzt also Wertpapiere und Kreditforderungen, die 50 mal so groß sind wie ihr Eigenkapital. Je nach Risiko, und das steigt ständig, muss der Wert der Wertpapiere und Kreditforderungen in den Büchern herabgesetzt werden, abgeschrieben werden.
Nun sagt das Verhältnis Eigenkapital : Aktiva, hier 1 : 50, noch nicht allzuviel aus. Banken, deren Geschäfte risikoreicher sind, müssen eher mit einem Verlust rechnen, als Banken, die Staatsanleihen aus der Schweiz gekauft haben. Aus diesem Grund gewichten Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer die Engagements einer Bank nach deren Ausfallrisiko. Für diese »risikogewichteten Aktiva« muss die Bank Kernkapital auf die hohe Kante legen, jenen Teil des Eigenkapitals, der der Bank unverrückbar gehört. Je höher das Risiko, desto mehr Kernkapital ist nötig. So gerechnet, standen bei der Deutschen Bank einem Kernkapital von 33 Milliarden Euro risikogewichtete Aktiva von 319 Milliarden Euro gegenüber. Ein Verhältnis von 1 zu 10.
Wodurch kommen die Banken nun in Schwierigkeiten?
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Ihr Kernkapital schmilzt:
Die Kurse vieler riskanter Wertpapiere sinken dramatisch, das führt zu Abschreibungen und Milliardenverlusten.
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Die Summe der risikogewichteten Aktiva steigt:
Rating-Agenturen stufen heute selbst Anleihen großer Industrieländer riskanter ein als noch vor Kurzem.
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- Investoren fordern immer höhere Puffer und drohen, ihr Geld abzuziehen:
Die Aufsicht verlangt eine Kernkapitalquote von vier Prozent, Anleger und Analysten indes fordern derzeit zehn Prozent und mehr. Sie fürchten, dass in den Bilanzen noch weitere Risiken stecken.
Je mehr die Rezession voranschreitet, desto mehr normale Kredite werden ausfallen. Zugleich werden mehr Kredite als riskant eingestuft. Für einige Banken wird es im zweiten und dritten Quartal dieses Jahres lebensbedrohlich. Als Ausweg bleibt ihnen, frisches Kapital einzusammeln oder riskante Aktiva zu
verkaufen. Beides ist derzeit am Markt kaum möglich – wer gibt den Banken Geld? Wer kauft ihnen noch was ab?
Der Staat, also wir Steuerbürger, soll es richten, Einerseits durch weitere Kapitalspritzen und andererseits dadurch, dass er die giftigen Wertpapiere und Kredite ankauft und in eine sogenannte "bad bank" steckt. Die Banken wären ihre alles verschlingenden Schwarzen Löcher los und könnten von neuem ihre Pyramidenspiele veranstalten und ihren Eigentümern Dividenden ausschütten. Die Staatsknete machts möglich.
Nein, das kann es nicht sein! So sieht es gottseidank auch unser Finanzminister Steinbrück. Aus seinem Umfeld heißt es: Die Banken wollen doch nur ihren Müll beim Staat abladen.
Die vernünftigste und sozial vertretbarste Lösung wäre es den gesamten Bankensektor zwangszuverstaatlichen. Ohne "bad banks" wird es nicht gehen, aber dann sollem dem Staat auch die "good banks" gehören.
Schweden hat es in den neunziger Jahren vorgemacht. Dort lagerte der Staat in den neunziger Jahren den Müll von Banken aus. Die Gefahr, dass öffentliche Gelder bei der Aufspaltung eines Instituts versickern, ist damit praktisch ausgeschaltet, denn der Staat ist ja Eigentümer der »guten« wie der »schlechten« Bank. Er sorgt darüberhinaus dafür, dass die Institute das frische Kapital für die Kreditvergabe nutzen und nicht als Dividende ausschütten. Die Schweden sanierten und rekapitalisierten die Finanzhäuser erfolgreich, Wertpapiere und Banken wurden später ohne große Verluste wieder verkauft.
Eine Verstaatlichung wäre ein gigantischer Eingriff in die Marktwirtschaft und das in einem Wahljahr. Aber haben wir eine andere Wahl?
Ich bin sicher, wir werden im Herbst anders wählen als bisher, falls die große Koalition doch auf die Idee kommt den Müll der Banken für eine staatliche "bad bank" anzukaufen und nicht im gleichen Atemzug auch die "good banks" zu übernehmen. |