Bauern, Böllerschützen, Blasmusiken, Beamten und Pendlern, Eltern und Lehrern, Denkmalschützern, Kindergärten, Feuerwehren und Universitäten, Erben, Kommunalpolitikern, Hausärzten, Krankenhäusern, und Rauchern, Studenten und Mittelständlern, allen verspricht die CSU ihnen ganz tolle Glückspillen zu verabreichen. Wohltaten, vor der Wahl versprochen, sollen den Zorn der Wähler in Wohlwollen wandeln.
1. Die Glückspille für die Eltern
Eine der stärksten Wählergruppen in Bayern sind die Eltern. Durch die Einführung des G8, durch Unterrichtsausfall und seit vielen Jahren exorbitante Klassengrößen, ist diese Wählergruppe extrem verärgert. Gestern versprach Ministerpräsident Beckstein für die kommenden Jahre jedes Jahr 1000 zusätzliche Lehrerstellen zu schaffen um übergroße Klassen abzubauen. Für dieses Wahljahr hat die CSU 2245 neue Lehrerstellen im Nachtragshaushalt bereitgestellt.
Lassen Sie mich als bayerischer Realschullehrer diese vollmundige Erklärung ein wenig analysieren und zwar mittels der statistischen Daten, die das bayerische Kultusministerium selbst im Internet zur Verfügung stellt. Laut der Bedarfsberechnung 2006, eine Neuere ist nicht veröffentlicht, lag der jährliche Bedarf an Berufseintritten 2006 bei 4370 LehrerInnen in allen Schularten. BewerberInnen gab es aber nur 3270. Für das Jahr 2010 prognostiziert das Kultusministerium einen Bedarf an 4420 LehrerInnen an allen Schularten und 4510 BewerberInnen.
Ich frage Sie, wo will die bayerische Staatsregierung für das neue Schuljahr 2245 zusätzliche LehrerInnen finden, geschweige denn für die nächsten Jahre 1000 LehrerInnen zusätzlich?
Doch die wesentliche Frage ist: Was würde es in den bayrischen Schulen bewegen, wenn diese LehrerInnen wirklich eingestellt werden könnten?
Laut Statistik des bayrischen Kultusministeriums (obiges Datum) gibt es in Bayern 6768 Staatl. Schulen (alle Schularten) mit 85922 Klassen. Hinzu kommen 560 private Schulen, die auch LehrerInnen brauchen.
Betrachten wir einmal die bayerische Realschule, die mir am Herzen liegt, in ihren Klassenstärken. Bei insgesamt 8014 Klassen liegt die Klassenstärke bei:
- bis 20 Schüler 173 Klassen
- 21 bis 25 Schüler 1248 Klassen
- 26 bis 30 Schüler 3732 Klassen
- 31 bis 35 Schüler 2834 Klassen
Wissen Sie wie hoch die Klassenstärke bei der Pisastudie in Finnland war? Sie betrug 19,5 Schüler im Durchschnitt. Das sind 10 Schüler weniger als in Bayern. In Bayern liegt die Klassenstärke bei 81% der Klassen über 20 Schülern. Nebenbei bemerkt, in finnischen Klassen sind oft zwei Lehrer tätig.
Statt Ihrem Kind, dem Lehrer oder der Schule die Schuld für das Versagen Ihres Kindes zu geben, sollten Sie einmal die bayerische Staatsregierung (CSU) in Erwägung ziehen.
Von Franke zu Franke Herr Beckstein, die Nürnberger hängen keinen, es sei denn sie hätten ihn, und die bayerische Staatsregierung stellt keine LehrerInnen ein, es sein denn sie hätte sie. Und wenn sie sie hätte, wäre es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, ein Smartie für den Wähler.
Ach ja, da gab es als Zuckerl noch die Abschaffung des Büchergeldes und das Versprechen, Stunden und Stoff am Gymnasium zu kürzen. Erinnern Sie sich noch wer für die Einführung verantwortlich war?
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2. Die Glückspille für die LehrerInnen
Real- und Volkschullehrer sollen durch die Dienstrechtsreform Beförderungsmöglichkeiten bekommen.
3. Die Glückspille für die Beamten
Gleiches gilt für die Beamten. Sie sind stocksauer, weil Stoiber ihnen 42 Wochenstunden auferlegt hat. Die Dienstrechtsreform soll mehr Beförderungen bringen. Dafür stellt Huber 240 Millionen Euro in Aussicht.
4. Die Glückspille für die Bauern
Ganz überraschend ist der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, den Agrarminister Josef Miller jahrelang mied, ein wichtiger Gesprächspartner. Auch der Sinneswandel in der Gentechnik ist verblüffend. Bisher hat die CSU es stets abgelehnt, dass die EU ihren Mitgliedsstaaten einräumt einzelne Regionen zu gentechnikfreien Zonen zu erklären. Doch seit dies immer mehr Bauern fordern ist bei der CSU ein Sinneswandel eingetreten.
5. Die Glückspille für die Pendler
Erinnern Sie sich? Die Pendlerpauschale wurde mit Zustimmung der CSU abgeschafft. Jetzt fordert sie die Wiedereinführung, wohlwissend, dass dies ihre Großmeisterin Angela Merkel nicht zulassen wird. Wer hat da wohl einen Riesenfehler gemacht?
6. Die Glückspille für die Böllerschützen
Böllerschützen müssen regelmäßig ihre Waffen in Beschussämtern prüfen lassen. Die bayerische Staatsregierung wollte zur löblichen Einsparung von Steuergeldern die Beschussämter in München und dem fränkischen Mellrichstadt schließen. Dagegen protestierten die Schützen, da sie dann zu weiten Reisen zu anderen Ämtern gezwungen wären. Vor 2 Wochen lenkte die bayerische Staatsregierung ein. Die Ämter bleiben erhalten.
7. Zuschüsse als Glückspillen
Weiteren Zorn will die CSU mit Geldgeschenken (Zuschüssen) befrieden:
- 200 000 Euro für die Blasmusiken
- 2,2 Millionen für den Denkmalschutz, 25 % mehr
- 35 Millionen mehr für Krankenhäuser
- mehr Zuschüsse für die Kommunalpolitik für Sportstätten, Dorferneuerung, Kanäle und Kläranlagen
- 12,5 Millionen für die Filmförderung, +25 %
- für den Bau von Privatschulen 12 Millionen Euro, + 25 %
- usw. usw.
Zumindest bis zur Wahl setzt sich die CSU bei der Reform des Erbschaftsrechts in Berlin für Firmenerben ein.
Sie kämpft für die 330 000 Feuerwehrleute gegen einen neuen EU-Führerschein, den sie machen müssten um Löschfahrzeuge über 3,5 Tonnen fahren zu dürfen.
Ich will Sie nicht weiter mit all den Bemühungen der CSU langweilen mit denen sie versucht ihre bescheidene Bilanz der letzten Jahre zu schönen und den Zorn ihrer Wähler zu befrieden.
Wissen Sie, ich weiß noch nicht welche Partei ich bei der Landtagswahl wählen werde, doch ich weiß genau, wen ich nicht wählen werde: Die CSU.
Auch Sie haben Alternativen: Freie Wähler, SPD, FDP, Grüne, Linke, ÖDP. Tragen Sie dazu bei, dass Macht-Monopol der CSU zu brechen. Es kann unserem schönen und geliebten Bayern nur gut tun.
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