Sie haben den Wunsch den öffentlich-rechtlichen Sender ORF 1 (Österreich) in Deutschland zu empfangen und haben nicht das Glück in Südbayern oder am Bodensee zu wohnen? Sie möchten gerne das öffentlich-rechtliche Fernsehen der Niederlande empfangen, oder den französischen Sender "TNT par satellite"? Oder den staatlichen Sender Belgiens?
Nichts da! Der Schnabel wird ihnen trocken bleiben. Diese Sender senden ihre Programme nur verschlüsselt und zum Empfang brauchen sie eine SAT-Karte zum Decodieren. Für eine solche SAT-Karte ist ein Wohnsitz in den entsprechenden Ländern Voraussetzung und sie können diese auch nur dort legal nutzen. Selbst wenn sie bereit sind die jeweiligen Fernsehgebühren zu bezahlen, wird die Freischaltung der erworbenen Karten verweigert.
Glauben sie nicht, ich hätte ihnen hier schon alle Abschottungsmaßnahmen in Europa aufgezählt. Nehmen wir zum Beispiel Polen. Die staatliche Rundfunkgesellschaft TVP verbreitet ihre Fernsehprogramme über das Astra-Satellitensystem zwar unverschlüsselt, benutzt aber dazu einen "very, very Narrow-Beam", der fast zielgenau auf Polen fokussiert ist. Nur wenige Kilometer hinter der Grenze sind die Programme nicht mehr zu empfangen. Ähnlich macht es die BBC in England.
Glauben sie auch nicht, solche Abschottungen beträfen nur die staatlichen Sender. Warum kann ein in Spanien lebender Engländer dort nicht BSkyB abonnieren? Warum kann ein Deutscher in London dort nicht Sky Deutschland abonnieren?
Seit dem Jahre 1969 gibt es die EU-Richtlinie 89/552/EWG (kurz: "Fernsehen ohne Grenzen"). In dieser EU-Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen" wird klipp und klar geschrieben: "Die Mitgliedstaaten gewährleisten den freien Empfang und behindern nicht die Weiterverbreitung von audiovisuellen Mediendiensten aus anderen Mitgliedstaaten in ihrem Hoheitsgebiet". Selbstverständlich wird auch umgekehrt ein Schuh daraus, d.h. das Sendeland sollte keine Maßnahmen ergreifen, die dazu führen, dass die Sendungen ausschließlich im eigenen Hoheitsbereich genutzt werden können. |
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"Fernsehen ohne Grenzen", die große europäische Freiheit, ist nach wie vor eine Illusion auf geduldigem Papier: Eine europäische Lebenslüge.
Warum wird so offensichtlich europäisches Recht ignoriert? Die Abschottung gegen "Fernsehen ohne Grenzen" in der EU beruht wohl auf der USA-Film-Lizenz-Politik, die offensichtlich ein weiteres Zusammenwachsen der EU-Länder nicht wünscht. Die Inhaber der Filmrechte haben in Europa ein Gebietskartell errichtet und die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender spielen mit, weil sie Angst haben nicht mehr mit Filmen versorgt zu werden. Keiner hat den Mut zuzugeben, dass die Urheberrechtsprobleme nur vorgeschoben sind. Was hindert z.B. "ORF Digital" daran ihre Vertragspartner wegen "mit dem europäischen Recht unvereinbarer Vertragsklauseln" zu verklagen? Wenn schon weder die Europäische Kommission noch das Europäische Parlament es schaffen durch ein einheitliches europäisches Urheberrecht den Rechteinhabern das Werkzeug zur Kartellbildung "Nationales Urheberrecht" aus der Hand zu schlagen, dann sollte es doch der Europäische Gerichtshof schaffen. Seit vielen Jahren schon zerreden und verschleppen sowohl die Europäische Kommission als auch das Europäische Parlament eine Lösung.
Als privater Bürger den Weg bis zum Europäischen Gerichtshof zu gehen, ist eine Frage des Lebensalters.
Ansonsten bleibt nur, einen österreichischen Freund um eine frei geschaltete SAT-Karte zu bitten und sie illegal in Deutschland zu benutzen, oder sich bitterlich beim Europäischen Parlament und der Europäischen Kommission zu beschweren. Vielleicht ändert sich ja etwas, wenn das Feuer unter dem Hintern genügend groß ist. |